Social Distancing and Empty Spaces

Wann:
23. Oktober 2020 um 16:00 – 29. November 2020 um 20:00
2020-10-23T16:00:00+02:00
2020-11-29T20:00:00+01:00
Wo:
Galerie 1 - 3, Lichthof, Bar
Preis:
4,- / 2,-
Foto: Anette Hempfling

Kultureller Shutdown

SOCIAL DISTANCING & EMPTY SPACES

Ein Ausstellungsprojekt der Pasinger Fabrik

Kuratoren: Thomas Linsmayer und Stefan-Maria Mittendorf

In diesem Jahr ist alles anders als es mal war. Im Frühjahr hat ein Virus namens Sars-CoV-2 die Welt zum Erliegen gebracht. Die gesamte Gattung Mensch war und ist betroffen. In der Folge wurden die größten Grundrechtseinschränkungen seit dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt. Dass die staatlichen Maßnahmen zumindest anfänglich klanglos hingenommen und befolgt wurden, hat mehr als einen Grund. Der nächstliegende ist die individuelle Betroffenheit. Das Coronavirus kann im mir selbst zum Ausbruch kommen und seinen Zerstörungsprozess entfalten. Ein weiterer Grund, mit der die verordneten Einschnitte angenommen wurden, liegt in den medial erzeugten Verstärkereffekten. Den Medien ist es in der Corona-Krise gelungen, die durch Selbstboulevardisierung und Fake-News-Propaganda erlittenen Imageverluste wettzumachen

Die Coronakrise selbst wirkt zunächst wie grelles, ungefiltertes Licht: sie lässt Dinge, Zustände, Sachverhalte in schonungsloser Schärfe hervortreten. Gesellschaftliche Schwachstellen werden deutlich sichtbar – von der Just-In-Time-Produktion, die jäh abreißt, weil Zulieferern ausfallen über mangelnde Hygiene in Großschlachtbetrieben bis zu Gesundheitssystemen, die so karg ausgestattet sind, dass sie kollabieren.

Zudem führte die Krise weltweit zu entvölkerten Orten, Städten und Räumen. Eine nie da gewesene Leere in vielen Zivilisationszentren der Erde manifestierte sich als evidente Folge einer stillgelegten Gesellschaft. Ein ganzes soziokulturelles Gefüge brach auseinander, als am 14. März das Kulturleben abgeschaltet wurde. Galerien, Museen, Kinos, Kulturzentren und Theater wurden geschlossen. Die Resonanzräume des Publikums wurden verriegelt und das Kunstpublikum um die gemeinsam erlebte Euphorie gebracht. Der kulturelle Shutdown hat alle Künstler*innen erwischt, da sie nicht systemrelevant sind.

Die Ausstellung „Kultureller Shutdown: Social distancing & Empty spaces“ ist ein Projekt, das aus und in der Krise entstand. In einem Open Call hat die Pasinger Fabrik Künstler*innen eingeladen, die ihre im Shutdown gemachten Erfahrungen im Innen- und Außenleben sowie persönliche Inspirationen und Visionen der Coronakrise in bildnerischen Darstellungen festgehalten haben. Die Auswahl der gezeigten Kunstwerke ist international und transmedial (Fotografie, Installation, Film). Es geht um das Bild der Coronapandemie in der zeitgenössischen Kunst.

Das Display der Ausstellung gliedert sich nach Kategorien:

 

„München im Shutdown“

Lichthof & Bar: 23.09. (Vernissage) – 29.11.2020

Die große Leere traf auch München im Frühling 2020 mit der gleichen Intensität wie weltweilt Städte urplötzlich entvölkert und menschenleer erschienen. Die sonst so belebten Innenstadt-Straßen und -Plätze wie der Marienplatz, das Platzl am Hofbräuhaus, der Odeonsplatz oder die Maximilianstrasse entwickelten in ihrer Vereinsamung eine Ruhe und Ästhetik, die acht Fotografen in ergreifenden Bildern festgehalten haben. Die vertrauten Orte haben sich in schweigsame und in ihrer Schönheit betörende Kunstwelten verwandelt.

Teilnehmende Fotografinnen und Fotografen:  Annette Hempfling, Susa Hummel, Max Ott, Anne Schmidt, Michael Steiner, Franz Sussbauer, Ralf Temporale, Conny Ulrich

Foto: Anette Hempfling

 

International Empty Spaces & Social Distancing: „Orte, Zeichen, Menschen“

Galerien 1-3: 21.10. (Vernissage) – 29.11.2020

In den Kategorien “Orte, Zeichen, Menschen“ werden wir mit einer Vielzahl von ausgestellten künstlerischen Positionen durch die Coronakrise hindurchgehen und danach zum Normalen zurückkehren. Oder wir begreifen, dass dieses Normale eben genau das Problem war und ist.

Orte
Städte in aller Welt präsentieren sich während des Shutdowns als entvölkerte Geisterorte voller bizzarer Ästhetik und unbekannten Zauber: Kiew, Teheran, Kairo, Bombay, Rom, New York, London

Teilnehmende Künstler*innen:
Alexander Chekmenev (Kiev), Ali Hadadi und Zohre Salimi (Teheran), Sergiy Kadulin (Kiev), N.N. (Kairo), John Rowe (London), Peter Zilhay (New York), Luigi Palumbo (Film Rom), Raquele del Nevo (Rom), Tapan Pandit (Indien)

Teheran. Foto: Ali Hadid/Zohre Salimi

 

Menschen
Menschen in der Corona-Krise: beim Home-Office aufgenommen, in Einsamkeit zu Hause, im Hinterhof beim Training, im Abstand zueinander in öffentlichen Bereichen. Völlig ungewohnte, neue Lebenssituationen, Isolation und Verunsicherung, aber auch Stille und Kontemplation. Aufgenommen von acht Fotografinnen und Fotografen in vier Ländern

Teilnehmende Künstler*innen:
Piotr Armianovski (Ukraine), Marlies Eberthäuser (Deutschland), Annette Hempfling (Deutschland), Jana Madzigon (Österreich), Oleskii Revika (Ukraine), Eileen Schäfer (Deutschland), Uli Winkler (Deutschland), Andreas Zingerle (Italien)

 

Zeichen
Der Shutdown hat eine Flut von Hinweisen, Anordnungen, öffentlichen Bekanntmachungen zur Folge, an Hauswänden, Ladentüren, Spielplätzen. Aber auch öffentliche Statements, Graffitis oder Mahnplakate werden genutzt, um von der Krise zu schreiben.
Fotografinnen und Fotografen sowie Künstlerinnen und Künstler fangen diese „Zeichen der Krise“ als künstlerische Verlautbarung in ihren Arbeiten auf.

Teilnehmende Künstler*innen:
Andrew Kravchenko (Ukraine), Ramin Mazur (Moldau), Ulrich Opitz (Deutschland), Maksym Plesha (Ukraine), Bamazi Talle (Afrika), Denys Tsybulko (Ukraine)

Teheran. Foto: Ali Hadid/Zohre Salimi

 

 

„Belebtes Tal“ – Eine Installation zur Wiederbelebung des öffentlichen Raumes

 Galerie 3: 21.10. (Vernissage) – 29.11.2020

Multimediale Installation von Lukas Taido nach einem Projekt von Markus Uhrig, Kurator: Elmar Zorn

Die Strassen und Plätze Münchens waren wochenlang unbelebt und entleert. Wie könnte man in einer Zeit nach Corona die Stadt unter verbesserten, mensch-würdigeren Umständen wiederbeleben? Am Beispiel des Tals zeigen der Architekt Markus Uhrig in einer multimedialen Installation von Lukas Taido alternative Lösungen auf.

Die aktuelle Situation des Isartors und des Tals in der Münchner Innenstadt als historisch bedeutsames Ensemble kann heute als eine reine Verkehrsinsel und Zufahrtsstrasse seine stadthistorische Einbettung in keiner Weise mehr darstellen. Wie man dem geschichtsträchtigen Ort seine Würde und Identität zurückgeben kann, das Tal also zur wiederbelebten Fußgängerzone umzubauen, hat sich der Architekt Markus Uhrig zur Überlegung einer Neugestaltung gemacht:

Durch entsprechende bauliche Maßnahmen sollen der Verkehr um das Isartor umgelegt werden, der Stadtgaben wieder entstehen, insbesondere die Stadtbäche wieder frei gelegt und die Türme des Isartores und des Alten Rathauses verbinden sowie inmitten des Tales die alte Hochbrücke neu erbaut werden.

Entgegen dem hektischen Treiben in den Fussgängerzonen soll die abwechslungsreiche Gestaltung diesen Bereich entschleunigen. Wasser und Begrünung tragen zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Das was den Menschen durch die autogerechte Stadt genommen wurde, wird ihnen wieder zurückgegeben. Die Post-Corona-Zeit bietet dafür neue Chancen.

 

Begleitprogramm: Corona-Dialoge in den Ausstellungsräumen

24.10.2020
19 Uhr

Diskussionveranstaltung „Belebtes Tal“

Die Forderung, die durch die Pandemie erheblich verschärfte Krise der Leerstände von Büros und Kaufhäusern in unseren Innenstädten durch neue Impulse für den Öffentlichen Raum zu beleben, ist exemplarisch in dem Projektvorschlag des Münchner Architekten Markus Uhrig für eine Neugestaltung der Altstadtbereiche Isartor und Tal aufgegriffen.

Bei einer Vorführung des Projekts durch Markus Uhrig und den Künstler Lukas Taido im Rahmen der Ausstellung, diskutieren im Anschluss, in der Moderation des Münchner Architekturkritikers und Publizisten Wolfgang Jean Stock, folgende Teilnehmer*innen über die vorgeschlagenen Maßnahmen:

– Prof. Dr. Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München

– VertreterIn der City Partners München

– Dr. Rolf Külz-Mackenzie, Berlin, em. Stadtplaner in München und em. Prof. der FU Berlin

– Lukas Taido, in München aufgewachsener Künstler aus Berlin.

 

24.10.2020
10 – 17 Uhr

IETM – ON THE ROAD
Internationales Netzwerktreffen der freien Theaterszene nach und in Coronazeiten, Veranstalter: Meta-Theater in Kooperation mit IETM Brüssel

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Di. 3.11.2020
20 Uhr
Galerie 1-2

Eintritt: 6,- €
Ermäßigt: 4,- €

Corona-Dialog I.:

Gesprächsführung

Kurator Stefan-Maria Mittendorf im Gespräch mit der in Wien lebenden Fotografin Jana Madzigon. Von der Künstlerin wird in der Ausstellung die Fotoserie „Porträts mit A(n)bstand“ gezeigt. Während des Lockdowns hat Madzigon Bekannte, Freunde und Stammgäste des legendären Wiener Tanzcafés Jenseits porträtiert. Kurze Bildtexte schildern die Corona-Situation der Protagonisten.

Corona bedingt maximale Teilnehmerzahl: 15 Personen

 

 

 

Di. 24.11.2020
20 Uhr
Galerie 1-2

Eintritt: 10,- €
Ermäßigt 8,- €

Corona-Dialog II.:

Lesung

Der Schauspieler Knud Fehlauer liest aus den Büchern „Die Pest“ von Albert Camus und „Der Untertan“ von Heinrich Mann.
Der 1947 von Albert Camus veröffentliche Roman „Die Pest“ reflektiert aus distanziertem Blickwinkel den Widerstand des Menschen gegen physische und moralische Zerstörung und ist gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Absurdität.
Heinrich Mann erzählt in dem 1918 erschienenen Roman „Der Untertan“ die Lebensgeschichte des fiktiven Opportunisten Diedrich Heßling. Dieser verkörpert in der wilhelminischen Gesellschaft einen bestimmten Typ: er ist feige und ohne Zivilcourage. Er ist Mitläufer und Konformist.

Corona bedingt maximale Teilnehmerzahl: 25 Personen

 

Vernissage
Mi. 21.10.2020
19 Uhr
„Softvernissage“, Einlass coronabedingt nur für jeweils 50 Besucher ab 19.00 Uhr

 

Ausstellung
22.10. – 29.11.2020
Galerie 1-3

 

Sonderausstellung Lichthof
ab 23.09.2020
„München im Shutdown“
„Softvernissage“, Einlass coronabedingt nur für jeweils 25 Besucher ab 19.00 Uhr

 

Öffnungszeiten
Di – So, 16 – 20 Uhr
Lichthof & Bar täglich 10 – 22 Uhr

Eintritt: 4,- €
Ermäßigt 2,- €